Monatsarchiv: Juni 2010

Die Zeitliste…

… ist die wahre Liste, meint Reinhard K. Sprenger in seinem Buch “Die Entscheidung liegt bei Dir!”. Es geht in diesem Buch viel um Selbstverantwortung, um die Möglichkeit, sich zu entscheiden, und um Prioritäten. Und damit auch um das Thema “Zeit haben”. Die Zeitliste ist Teil einer kleinen Übung:

“Erstellen Sie eine Liste der Dinge oder Tätigkeiten, die Ihnen in Ihrem Leben am wichtigsten sind. Dann nehmen Sie ein anderes Blatt Papier und schreiben Sie auf, womit Sie Ihre Zeit tagtäglich wirklich verbringen. Beim Vergleich der beiden Listen werden Sie vermutlich ein krasses Missverhältnis feststellen. Kaum etwas passt da zusammen. Meine Behauptung: “Die Zeitliste ist die wahre Liste!” werden Sie mit dem Hinweis auf den Druck “von außen”, die Verpflichtungen erklären. Dafür seien Sie nicht verantwortlich. Dass Sie sich entschieden haben, das Aktuelle, das Unvorhersehbare, vielleicht auch das scheinbar Nebensächliche zu bevorzugen, ist aber Tatsache. Dafür haben Sie sich entschieden. Die bare Möglichkeit, anders zu handeln, reicht für Selbstverantwortung vollkommen aus.”

Wow – starker Tobak für viele von uns. Auch wenn die Freiheit der menschlichen Entscheidungen immer wieder diskutiert wird, von den alten und neuen Philosophen bis zu den populären Neurowissenschaftlern unserer Tage: an Sprengers Sicht ist was dran, oder? Auch wenn das an dem einen oder anderen lieb gewonnen “Opfer-Muster” kratzt: der Chef ist schuld, die Kunden sind schuld, die Wirtschaftskrise, die Mitarbeiter, die Sternenkonstellation, etc.: ans Sprengers Sicht ist wirklich was dran, oder? Irgendwie gibt es sie – “…die bare Möglichkeit, anders zu handeln…”, zumindest ziemlich oft…

Zeit haben…

… oder eben “keine Zeit haben” geht uns so oft über die Lippen. Wir begründen mit dieser Aussage, dass wir irgendetwas nicht tun können, nicht schaffen etc., und es fällt uns meistens gar nicht auf, was wir da eigentlich sagen. Kann man Zeit wirklich “haben” oder “nicht haben”? Können wir Zeit verlieren, gewinnen, finden, oder sparen? Am Ende eines Tages  haben wir doch, egal wie wir es auch anstellen, keine Minute mehr oder weniger Zeit zur Verfügung als am Tag zuvor oder als jemand anders am gleichen Tag.

Es stellt sich die Frage, “…warum wir Tag für Tag über die Zeit sprechen, als sei sie ein bestimmter Gegenstand, den man irgendwie haben, verlieren, gewinnen, vertrödeln, finden oder sparen könnte…” (Olaf Georg Klein: “Zeit als Lebenskunst”). Zeitsparer sind häufig relativ gehetzte Zeitgenossen und die Bemühungen, Zeit zu sparen, gleichen häufig dem Rückwärtslaufen im einem Zug, der in die falsche Richtung fährt.

Bewegung und Veränderung ist von uns wahrnehmbar, Zeit dagegen nicht. O.G.Klein beschreibt in seinem o.g. Buch die Zeit als “eine Konstruktion, ein menschliches Modell”, und in der Sprache kommen die Merkmale dieses Modells deutlich zum Ausdruck. Wie ist es, wenn wir davon sprechen, dass die Zeit “vergeht”? Oder wenn wir im Unterschied dazu zum Ausdruck bringen, dass die Zeit “entsteht” – jeden Augenblick neu? Ein unterschiedliche Perspektive, die sich deutlich anders anfühlt. Ich finde das sind anregende Gedanken, die auch zum Bemühen um eine besseres Zeit- und Selbstmanagement gehören.