Monatsarchiv: August 2010

Online / Offline im Urlaub?

Dieses Jahr hab ich den Sommerurlaub zu Hause verbracht. Und ich hab mir ganz fest vorgenommen – nach entsprechenden Erfahrungen in früheren Jahren – dass ich zumindest die mails nur ein mal in der Woche lese. Mich Internet-abstinent zu halten, darauf habe ich mich gar nicht erst selbst verpflichtet, damit wäre ich eh baden gegangen.

(das mit den mails hat einigermaßen geklappt: ich hab zwar deutlich häufiger rein geschaut und auch einige mehr als geplant bearbeitet, aber trotzdem erheblich weniger als zu “normalen” Arbeitszeiten…)

Getrieben sind solche “Bemühungen” von der Erfahrung, dass sehr viel berufliche Aktivitäten online ablaufen, und dass richtiges Abschalten in dieser Umgebung nicht leicht ist. Natürlich ist im Umfeld aller Branchen, die mit Wissensarbeit zu tun haben, die Trennung von Beruf und Privatleben eh mehr oder weniger ein Relikt aus alten Zeiten. Wissen hat mit dem eigenen Kopf zu tun, und den nimmt man bekanntlich überall mit hin, die berühmte “Work-Life-Balance” ist schon als Begriff ein Paradoxon: wo bitte bleibt das “life”, wenn ich in der “work” bin…?

Andererseits ist es wichtig und heilsam, ab und zu mal den größten Druck raus zu nehmen und sich auszuklinken. Auch wenn man dabei “nur” die Zeit findet, mal wieder grundsätzlich über die eigenen Prioritäten nachzudenken und sich nicht von den Dringlichkeiten des Job-Alltags davon ablenken lässt.

Dieses Dilemma findet sich sehr schön – mit einigen zusätzlichen wichtigen und für uns alle relevanten Aspekten – im Disput zwischen Markus Albers, dem Brand-Eins-Autor, und Christof Koch, der grade ein Buch zu einem Selbstversuch veröffentlicht hat:

“Ich bin dann mal offline“. Ein Selbstversuch. Ein Monat ohne Internet und Handy.

Markus Albers wiederum hat in seinem e-book “Meconomy – wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden…” die Arbeit und das Leben in der schönen  neuen Online-Welt mit all ihren Freiheiten und Möglichkeiten beschrieben.

Ich jedenfalls gönn mir auch und gerade im Urlaub mal die Zeit, wieder richtig schön unstrukturiert zu surfen, ohne große Ziele, ohne den ständigen Blick auf die ToDo-Liste, ohne schlechtes Gewissen, weil natürlich immer viele wichtigere Dinge auf mich warten. Und wenn ich irgendwie den richtigen Schalter im Kopf finde, ist das keine Frage mehr von Spannung / Entspannung, von Freizeit / Arbeit, oder ähnlichen entweder/oders, die eh meistens schon als Hypothese nichts taugen.

Effizienzkriterien …

… aus dem Business passen nicht unbedingt und immer auf alle Bereiche des Lebens. Eine Anekdote aus dem Buch “Zeit als Lebenskunst” von Olaf Georg Klein verdeutlicht dies auf eine köstliche Art und Weise:

“Das Vorstandsmitglied eines Großunternehmens hatte Konzertkarten für Schuberts unvollendete Symphonie bekommen. Er war verhindert und schenkte die Karten seinem Fachmann für Arbeitszeitstudien und Personalplanung. Am nächsten Morgen fragte der Chef den Mitarbeiter, wie ihm denn das Konzert gefallen habe. Anstelle einer Antwort überreichte ihm der Experte ein Memorandum, in dem es hieß:

a) für einen beträchtlichen Zeitraum hatten die vier Oboe-Spieler nichts zu tun, Ihr Part sollte deshalb reduziert, ihre Arbeit auf das ganze Orchester verteilt werden …
b) Alle zwölf Geiger spielten die gleichen Noten. Das ist unnötige Doppelarbeit. Die Mitgliederzahl dieser Gruppe sollte drastisch gekürzt werden. Falls wirklich ein großes Klangvolumen erforderlich ist, kann dies durch elektronische Verstärker erzielt werden.
c) Erhebliche Arbeitskraft kostet auch das Spielen von Zeiunddreißigstel-Noten. Das ist eine unnötige Verfeinerung. Es wird deshalb empfohlen, alle Noten auf- bzw. abzurunden. Würde man diesem Vorschlag folgen, könnte man preiswertere Volontäre und andere Hilfskräfte einsetzen.
d) Unnütz ist es, dass die Hörner genau jene Passagen wiederholen, die bereits von den Saiteninstrumenten gespielt wurden. Würden alle überflüssigen Passagen gestrichen, könnte das Konzert von 25 auf vier Minuten verkürzt werden…”