Dieses Jahr hab ich den Sommerurlaub zu Hause verbracht. Und ich hab mir ganz fest vorgenommen – nach entsprechenden Erfahrungen in früheren Jahren – dass ich zumindest die mails nur ein mal in der Woche lese. Mich Internet-abstinent zu halten, darauf habe ich mich gar nicht erst selbst verpflichtet, damit wäre ich eh baden gegangen.
(das mit den mails hat einigermaßen geklappt: ich hab zwar deutlich häufiger rein geschaut und auch einige mehr als geplant bearbeitet, aber trotzdem erheblich weniger als zu “normalen” Arbeitszeiten…)
Getrieben sind solche “Bemühungen” von der Erfahrung, dass sehr viel berufliche Aktivitäten online ablaufen, und dass richtiges Abschalten in dieser Umgebung nicht leicht ist. Natürlich ist im Umfeld aller Branchen, die mit Wissensarbeit zu tun haben, die Trennung von Beruf und Privatleben eh mehr oder weniger ein Relikt aus alten Zeiten. Wissen hat mit dem eigenen Kopf zu tun, und den nimmt man bekanntlich überall mit hin, die berühmte “Work-Life-Balance” ist schon als Begriff ein Paradoxon: wo bitte bleibt das “life”, wenn ich in der “work” bin…?
Andererseits ist es wichtig und heilsam, ab und zu mal den größten Druck raus zu nehmen und sich auszuklinken. Auch wenn man dabei “nur” die Zeit findet, mal wieder grundsätzlich über die eigenen Prioritäten nachzudenken und sich nicht von den Dringlichkeiten des Job-Alltags davon ablenken lässt.
Dieses Dilemma findet sich sehr schön – mit einigen zusätzlichen wichtigen und für uns alle relevanten Aspekten – im Disput zwischen Markus Albers, dem Brand-Eins-Autor, und Christof Koch, der grade ein Buch zu einem Selbstversuch veröffentlicht hat:
“Ich bin dann mal offline“. Ein Selbstversuch. Ein Monat ohne Internet und Handy.
Markus Albers wiederum hat in seinem e-book “Meconomy – wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden…” die Arbeit und das Leben in der schönen neuen Online-Welt mit all ihren Freiheiten und Möglichkeiten beschrieben.
Ich jedenfalls gönn mir auch und gerade im Urlaub mal die Zeit, wieder richtig schön unstrukturiert zu surfen, ohne große Ziele, ohne den ständigen Blick auf die ToDo-Liste, ohne schlechtes Gewissen, weil natürlich immer viele wichtigere Dinge auf mich warten. Und wenn ich irgendwie den richtigen Schalter im Kopf finde, ist das keine Frage mehr von Spannung / Entspannung, von Freizeit / Arbeit, oder ähnlichen entweder/oders, die eh meistens schon als Hypothese nichts taugen.
